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Ich habe immer eine natürliche Hemmung, über Situationen zu sprechen, bei denen ich nicht selbst dabei war und bei denen so viele Personen mit unterschiedlichen Motiven beteiligt sind, dass es nahezu unmöglich ist, einfach ein Urteil zu treffen. Trotzdem denke ich, die Vorfälle vom Samstag Abend verdienen einen Artikel und eine weitere Plattform.

Es ist schon verdächtig, wenn mehrere Dutzend Hooligans des Hamburger SV sich am Sonnabend gegen 22 Uhr vom Hans-Albers-Platz in Richtung St. Pauli-Fan-Kneipe Jolly Roger aufmachen und dabei von der Polizei beobachtet werden, die auf der Budapester Straße in Richtung Reeperbahn unterwegs war, dann aber erst nach zehn Minuten erschien, als die knapp 200 Hooligans die St. Pauli-Fans vor deren Kneipe bereits angegriffen hatten.

Schnell kann so wirklich der Eindruck entstehen, dass diese Vorgehensweise der Polizei geplant und so gewollt war, dass wohlmöglich tatsächlich politischer Wille dahinter steckt – und zwar umso mehr, als es derartige Vorfälle bereits beim Derby-Hinspiel gegeben hat.

Natürlich sollte die Polizei gerade im Umfeld von Ortsderbys, die immer unter besonderen Vorzeichen stattfinden, möglichst neutral vorgehen. Ist aber erkennbar, dass Leib und Leben von Menschen durch das Vorgehen von sogenannten Fans in Gefahr ist, muss sie eingreifen, so schnell wie sie kann. Am Sonnabend hätte sie sogar präventiv tätig werden und eigene Verstärkung anfordern müssen – und zwar bevor die HSV-Hooligans, die sich schließlich noch durch ausländische Schläger verstärkt hatten, vor der St. Pauli-Fan-Kneipe Jolly Roger eingetroffen waren. Hätten dort mehrere Polizeibeamte gestanden, hätten sie eine Eskalation der Gewalt verhindern können.

Jetzt ist wichtig, dass die Forderung des FC St. Pauli auch wirklich erfüllt wird, und Polizei sowie gegebenenfalls auch die Politik das Verhalten der Beamten vom Sonnabend aufklären. Ebenso wichtig ist dann aber auch, dass das Ergebnis offiziell veröffentlicht wird. Nur dann ist erkennbar, ob die Polizei am Sonnabend vor dem Jolly Roger tatsächlich neutral gehandelt hat oder ob sie – warum auch immer – erst einmal eine Weile weggeschaut hat.